Speziļ¬kation von Fahrzeug-Testabläufen und Abgleich mit manuell erzeugten Testanordnungen in der Automobilproduktion
Meine Diplomarbeit habe ich am Karlsruher Institut für Technologie im Wintersemester 2011/2012 am Lehrstuhl Systeme der Informationsverwaltung im Institut für Programmstrukturen und Datenorganisation (IPD) begonnen und erfolgreich beendet.

Motivation
Produktkonfiguration und Qualitätssicherung spielen eine Hauptrolle auf dem Markt komplexer Produkte wie zum Beispiel in der Automobilindustrie. Speziell in dieser Industrie werden Fahrzeuge zum großen Teil auf Wunsch des Käufers zusammengestellt und geliefert. Diese Spezialisierung des Fahrzeugs erzeugt eine hohe Komplexität sowohl für die Konfiguration als auch für die Qualitätssicherung des Fahrzeugs, da es keine einheitliche Fließbandproduktion im klassischen Sinne, sondern eine flexible, auf den Kunden zugeschnittene Produktion gibt. Für die Konfiguration sowie zur Sicherstellung der gleichbleibenden Qualität werden in der Automobilindustrie Verfahren eingesetzt, um diesen Standard zu halten bzw. diesen für die Zukunft zu verbessern.
Bei diesen Verfahren, welche direkt am Automobil in der Produktion angewendet werden, handelt es sich um Testpläne, die eine Abfolge von sequentiell und parallel geschalteten Einzeltests in sich bereit halten. Diese Einzeltests greifen auf die im Fahrzeug verbauten Komponenten zu und dienen der Konfiguration sowie der Überprüfung der Qualität.

Da sich die Fahrzeugkomponenten in einer stetigen Weiterentwicklung befinden und immer wieder neue Komponenten entstehen, kann dies Änderungen der strukturellen Anordnung der Einzeltests aufgrund von physikalischen Abhängigkeiten der Komponenten zur Folge haben. Aus diesem Grund befinden sich auch die Testpläne in einer stetigen Weiterentwicklung.
Nicht nur die andauernde Weiterentwicklung und die daraus steigernde Komplexität, sondern auch das manuelle Erstellen der Testpläne durch Mitarbeiter birgt die Gefahr in sich, dass ein inkorrekt modellierter Testplan in die Produktion gelangt.

Die Gründe, warum ein inkorrekter Testplan in die Produktion gelangen könnte, ist dadurch gegeben, dass zum einen die Abhängigkeiten zwischen Einzeltests in keiner zentral zugänglichen Datenbasis gespeichert sind, sodass neue Mitarbeiter lediglich über das Wissen der etablierten Mitarbeiter an Informationen über den Testplan gelangen.
Zum anderen kann es durch die mündliche Weitergabe oder durch nicht so erfahrene Mitarbeiter passieren, dass unvollständiges oder sogar inkorrektes Wissen über die Abhängigkeiten der Einzeltests weitergegeben wird.
Dieses Problem und die stetig steigende Komplexität des Testplans erfordern eine zentrale Wissensbasis mit allen Abhängigkeiten, Regeln und Fakten eines Testplans sowie ein Programm zur Verifikation von Testplänen anhand der erstellten Wissensbasis.

Mit dem Wissen aus der Wissensbasis wird es möglich sein, das gesammelte Wissen über die Testpläne der Mitarbeiter zentral zu speichern und dieses Wissen allen Mitarbeitern ohne Einschränkung zur Verfügung zu stellen.
Da dieses Wissen erst der erste Schritt ist, um Fehler in einem Testplan zu erkennen, wird über die Verifikation der zweite Schritt zur korrekten Modellierung von Testplänen erreicht.

Software
Ausgehend auf der wissenschaftlichen Forschung dieser Diplomarbeit ist eine Software zum Überprüfen von Ablaufplänen verschiedener proprietärer Formate von Ablaufplänen sowie des vom ISO standardisierten Format OTX (Open Test sequence eXchange, ISO 13209) entstanden. Diese Software befindet sich zwar in einem Prototypzustand ist jedoch vollständig Einsetzbar und bietet viele Möglichkeiten um manuell konstruierte Ablaufpläne anhand von Regeln und Fakten aus einer Wissensbasis zu prüfen und vorhandene Fehler auszugeben.
Diese Software wurde bereits bei einem großen Automobilhersteller getestet und könnte direkt Fehler der Ablaufpläne, welche sich im laufenden Betrieb befanden, feststellen.